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Erfolgcoach seit 25 Jahren |
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Geschrieben von Tilo Garlin
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Donnerstag, 23.Oktober 2008 |
„Papa" – Erfolgscoach seit 25 Jahren
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Menschen auf engem Raum mit viel Zeit. Kosel sucht einen neuen
Bundestrainer für die Deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der
Behinderten und fragt Papageorgiou, ob er dieses Amt denn nicht
übernehmen wolle. Ja, warum nicht? – so die „Legende", wie einer der
erfolgreichsten Nationaltrainer überhaupt zu seinem Posten kam. |
Zurück
in Deutschland hatte „Papa", wie er von allen genannt wird, gleich alle
Hände voll zu tun. Die Weltmeisterschaft der behinderten Volleyballer
stand vor der Tür und dem Chefcoach blieben nur wenige Wochen Zeit, um
ein schlagkräftiges Team zu bilden. Mit Erfolg: Die deutschen
Standvolleyballer wurden Vizeweltmeister und unterlagen Israel knapp im
fünften Satz. Und dann begann ein Siegeszug, der seinesgleichen sucht.
Die Deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten ist nämlich
die erfolgreichste Sportspielmannschaft der letzten 25 Jahre
hierzulande und die erfolgreichste Mannschaft der Welt im
Behindertenleistungssport. Die Bilanz: 4x hintereinander paralympisches
Gold, 3x Weltmeister, 1x WorldCup-Sieger, 5x Europameister und seit
1985 bis auf zweimal immer im Finale jeder internationalen
Veranstaltung. Papageorgiou erinnert sich: „Die erste Goldmedaille bei
den Paralympics 1988 in Seoul war schon etwas ganz Besonderes. Wir
haben Israel geschlagen, die bis dahin als ‚unbezwingbar' galten. Das
war für mich persönlich der schönste Sieg. Und das will schon etwas
heißen. Immerhin habe ich auch im Nichtbehinderten-Volleyball mit TSV
Bayer 04 Leverkusen beachtliche Erfolge gefeiert wie 1988 den Pokalsieg
oder ein Jahr später die Deutsche Meisterschaft. Aber nach dem Sieg in
Korea gab es für mich und die Jungs kein Halten mehr. Wir haben drei
Tage lang gefeiert."
Für den Bundestrainer stand und steht das
Ziel zu gewinnen immer an erster Stelle – das ist seine Motivation als
Trainer, egal ob mit einem behinderten oder nichtbehinderten
Volleyballteam. „In den letzten Jahren ist für mich bei den
Standvolleyballern noch eine ‚soziale' Motivation dazugekommen",
erzählt Papageorgiou. „Zum einen glaube ich daran, dass mit Sport die
Lebensqualität steigt. Man kann sich im Alltag einfach besser bewegen
und ihn so auch besser meistern. Zum anderen habe ich gerade bei jungen
behinderten Menschen oder solchen, die erst seit Kurzem mit ihrer
Behinderung leben, eine neue Sichtweise. Sporttreiben ist die beste
Möglichkeit, um sein Handicap leichter zu akzeptieren. Da spielen das
Team, Familie, Freunde, kurz die persönliche Umgebung eine wichtige
Rolle. Ich kenne viele behinderte Volleyballer, die insbesondere durch
den Sport wieder zurück in ihren Alltag gefunden haben. Sie sehen, dass
sie nicht alleine sind und dass es viele Dinge gibt, für die es sich zu
kämpfen lohnt. Dieser Kampfgeist ist letztendlich das, womit mich meine
Spieler immer wieder beeindrucken. So mancher ‚Profisportler' sollte
sich von meinen Jungs mal eine Scheibe abschneiden! Ich werde daher
immer junge, motivierte Volleyballer mit Handicap in meinen
Nationalkader berufen, weil ich einfach weiß, dass sie innerhalb kurzer
Zeit an ihren Aufgaben wachsen und alles für das Team geben."
„Jeder
Trainer muss mit seinem Team irgendwann einmal eine Niederlage
einstecken. Das gehört zum Sport. Gerade die Spiele, die man bereits
glaubte gewonnen zu haben, sind natürlich ‚schmerzhaft'. Ich erinnere
mich an den verpassten Einzug ins WM-Finale 2004 in Mettmann. Bei dem
entscheidenden Spiel führten wir 2:0 gegen die Slowaken und verloren.
1983, bei meiner ersten Weltmeisterschaft, stand es im fünften Satz
14:12 für uns. Ein Punkt fehlte uns zum Sieg, doch den gaben wir noch
aus der Hand. Damals habe ich geweint." Papa hat zwar solche Momente
nicht vergessen, wirklich enttäuschend war für ihn aber 2000 die
Entscheidung des Internationalen Paralympic-Commitees, „Standing"
Volleyball aus dem Programm zu nehmen. „Dieser Beschluss war absolut
unverständlich. Volleyball war bis dahin Zuschauermagnet unter den
Ballsportarten und wir spielten in Sydney vor 6000 bis 7000 Menschen.
Wir haben monatelang protestiert. Brigitte Zypries und Klaus Kinkel,
zwei im Behindertensport engagierte Politiker, setzten sich ebenfalls
für uns ein – leider ohne Erfolg." Das Ausscheiden von den Spielen –
aus sportpolitischen Gründen – blieb nicht ohne Konsequenz für das
deutsche Nationalteam. Der DBS strich der Mannschaft sämtliche
Fördergelder, sodass sich Papa und seine Mannen seit 2006 komplett
selbst finanzieren müssen. Dank Sponsoren wie den Diana Klinken AG Bad
Bevensen und Asics kann das Team weiter um Punkte und Siege kämpfen.
Trotz
der großen Erfolge ist Papageorgiou nicht nur auf „seine" Jungs
fixiert. Viel Herzblut steckt im Volleyball der Behinderten – auch
international. Bei den letzten Paralympics 2000 in Sydney wurde die
Mannschaft aus Kambodscha von Papa und dem Nationalteam mit Geld,
volleyballerischem Know-how und einem deutschen Trainer unterstützt.
Ein Einsatz, den das Bundesinnenministerium 2002 mit dem
Fair-Play-Preis würdigte. Der Bundestrainer: „Diese Auszeichnung ehrt
uns natürlich. Aber damals wie heute denke ich, dass der Preis
eigentlich zu viel des Guten war. Für mich ist so etwas eine
Selbstverständlichkeit. Man muss sich das bei uns etwa folgendermaßen
vorstellen: Alle Nationalmannschaften der behinderten Volleyballer sind
bei aller Konkurrenz wie eine kleine Familie. Wenn ein guter Freund
oder ein ‚entfernter Verwandter' wie die Kambodschaner Hilfe brauchen,
dann unterstürzen wir sie. So einfach ist das."
38 Jahre lang
dozierte und unterrichtete Papageorgiou an der Deutschen
Sporthochschule Köln, und zwar in seinem Lieblingsfach Volleyball
(einschließlich Beach- und Behindertenvolleyball). Seit dem 01. Oktober
2008 ist er in seinem wohlverdienten Ruhestand – beruflich gesehen. Als
Bundestrainer und als Trainerausbilder des Deutschen
Volleyball-Verbandes und des Internationalen Volleyballverbandes will
er weitermachen. „Ich werde jetzt zwar etwas häufiger auf Rhodos sein,
meine ‚Nebentätigkeiten' aber nach wie vor voll wahrnehmen. Langfristig
möchte ich neben Standing Volleyball in der Halle noch den
Beachvolleyball für Behinderte international etablieren. Außerdem bin
ich immer auf der Suche nach Nachwuchsvolleyballern mit Handicap. Es
gibt also viel zu tun!"
Weitere Informationen zur Deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten finden Sie unter www.dbs-volleyball.de.
Foto: Foto Vogt GmbH, Düsseldorf
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Letztes Update ( Donnerstag, 23.Oktober 2008 )
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